2. Vernetzungstreffen Queere Asylwerber_innen

Protokoll zum Treffen von LGBTQI-Aktivist_innen mit Que(e)rbau-Menschen, 17. August 2014, Rosa Lila Villa

Anwesend: Andreas Konecny (QB), Christoph (Queer Amnesty), Gela Schwarz (WASt), Gorji Marzban (ORQOA), Philip Kopal (Villa), Roland Hampl (QB), Stefan Riedl (Diakonie), Hilde Grammel (QB)

Situation von LGBTQI-Flüchtlingen

Die Betreuungskapazität der Villa ist erschöpft, es gibt immer mehr queere Asylwerber_innen, die aber nicht einfach zusammen mit anderen untergebracht werden können, weil in den Quartieren mit Diskriminierung, Intoleranz, Homophobie usw. konfrontiert. Selbst in Wien ist über queere Asylwerber_innen nicht ausreichend nachgedacht worden.

Im QB (Queerbau) wäre gute Betreuung und Integration in LGBTQI-Community gegeben, Sicherheit, dass sie nicht angefeindet werden und dass sie Privatleben haben können.

Frage, ob diese Art der Unterbringung Modellcharakter für Wien und die anderen Bundesländer haben könnte?

 

Queere Flüchtlinge, die über Diakonie eine Wohnung bekommen, sind Isolation ausgesetzt, haben keinen Kontakt zu anderen Hausbewohner_innen oder sind mit homophoben Aktionen konfrontiert.

 

Zielgruppen:

Asylwerber_innen

Anerkannte Flüchtlinge

Illegalisierte Menschen ohne Papiere, die Grundversorgung bekommen

 

Bericht von Stefan (Diakonie)

LARES-Wohnprojekt, disloziertes Wohnen für Menschen in der Grundversorgung, 1-2 Wohnungen werden in § 18-Häusern angemietet, die in nächster Zeit saniert werden, bis dahin können Flüchtlinge dort wohnen. Sie haben aber keine eigene Wohnung, sondern leben in betreuter WG für alleinstehende Männer oder in ihrer Familie.

 

Organisierte Quartiere für Flüchtlinge in der Grundversorgung:

Anwesenheitspflicht, Grundversorgungskontrollen, € 100 / Monat Zuverdienst ist erlaubt, wenn höher, wird die Grundversorgung gestrichen, Tagsätze werden über Fonds Soziales Wien verrechnet. Asylzentrum der Caritas in der Mariannengasse schließt Mietvertrag ab, Wohnbeihilfe von € 340 inkl. Strom ist möglich.

Grundversorgung gilt für „Fremde“, zu denen Asylwerber_innen zählen. Kommen zuerst ins Erstaufnahmezentrum nach Traiskirchen, dort durchlaufen sie Zulassungsverfahren (z.B. wird überprüft, ob schon in einem anderen EU-Land Asyl beantragt wurde), dieses soll in einer Woche abgeschlossen sein. Wird Asyl bewilligt, werden die Menschen in Quartiere in den Bundesländern gebracht.

Grundversorgung umfasst: € 19 Tagsatz pro Person und Tag, € 5 Verpflegungsgeld, aber keine Fahrscheine, € 40 Taschengeld im Monat (nur wenn jemand in organisiertem Quartier untergebracht ist, gilt nicht für Bewohner_innen von Privatunterkünften), € 150 Bekleidungsgutscheine pro Jahr, Ausgaben für Schulbesuch, Freizeitgeld (gegen Vorlage eines Kinotickets u. dgl.).

Ausstattung der Quartiere: Eine Dusche für 25 Personen, eine Kochplatte für 4 Personen, 8 m² Platz pro Zimmer pro Person, Gemeinschafts-WC. Dusche ist oft in der Küche.

In Deutschland gibt es ein Höchstgerichtsurteil, wonach die Tagsätze für Aslywerber_innen gleich hoch sein müssen wie die Grundsicherung für deutsche Staatsbürger – eine vergleichbare Bestimmung fehlt in Österreich.

Das BMI goutiert Unterbringungsform in Einzelwohnungen verteilt in ganz Wien nicht, da Kontrollen nicht exekutiert werden können.

In betreuten WGs existieren kaum Probleme, anders als in den Häusern.

Man sollte von den § 18-Wohnungen wegkommen, um den ständigen Übersiedelungsdruck zu beenden.

Menschen mit subsidiärem Flüchtlingsschutz sind in allen Bundesländern außer Wien nicht länger als 4 Monate in der Grundversorgung, in Wien bis sie den Einstieg in den Arbeitsmarkt schaffen.

Nur anerkannte Flüchtlinge haben Zugang zum Sozialsystem. Sobald jemand ein Einkommen bezieht, beginnt der FSW zu rechnen und zu reduzieren bis zur Entlassung aus der Grundversorgung.

Grundproblem: Asylwerber_innen wird der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt, dadurch wäre der Grundversorgungsbereich entlastet.

 

Erfahrungen Villa:

Angemietete Wohnung zur Bereitstellung von diskriminierungsfreiem Wohnraum = Notfallswohnung als Übergang, um Menschen aus Heimen zu beherbergen. Finanzierung über Grundversorgung und Spenden (private Daueraufträge, Solifeste, ÖH).

 

*Organisierte Unterbringung: läuft über FSW, dieser hat dann das Zuweisungsrecht

*Nicht organisierte Unterbringung: es werden keine Tagsätze bezahlt, auszahlende Stelle ist Asylzentrum der Caritas in der Mariannengasse, QB-Verein wäre Vermieter.

 

Variante A: Im QB hätten die Flüchtlinge ein eigenes Zimmer. Könnte Projekt mit Modellcharakter sein, es braucht Finanzierung dafür.

Der gemeinsam gelebte Alltag wäre gleichzeitig die Betreuung, viele Menschen mit entsprechenden Qualifikationen vorhanden.

Variante A: Zweizimmerwohnung

Miete: € 220 / Monat

€ 15.000 Finanzierungsbeitrag

Wohnung besteht aus 2 Zimmern à 10 m² pro Person, Küche, Bad, WC. Gemeinschaftsräume im Haus sind nutzbar.

 

Variante B: WG aus Studierenden und Asylwerber_innen. Student_in mietet die Wohnung und vermietet 1 Zimmer weiter.

 

Geplante Tagung

Ziel der Tagung:

Situation von queeren Flüchtlingen sichtbar machen, darüber reden, wie die Vorschriften aussehen, den medialen Verzerrungen entgegenarbeiten – Menschen leben nicht im Luxus.

Impuls geben für Gemeinschaftsprojekte im geförderten Wohnbau, die Gemeinschaft weiter denken, z.B. als Gesellschaft.

Probleme aufzeigen und Problemlösungsvorschläge diskutieren. Erarbeitung eines Konzepts zur Betreuung von LGBTQI-Asylwerber_innen mit Modellcharakter.

 

Bekommt man Geld von öffentlichen Stellen oder ist man auf private Sponsoren angewiesen, z.B. solche, die wie Baxter im Rahmen ihrer CSR ein Diversity Management Konzept.

 

Einladungen:

Politik soll erreicht werden: BMI, Wohnbaustadtrat, Stadträtin für Soziales, Wohnmanagement im FSW, Caritas, Interface, Intro Wien, Wohnbaugenossenschaften

 

Veranstalter_innen:

Orqoa, QB, Villa, queeramnesty, WASt?  (welche noch?)

 

Termin der Tagung: Ende Oktober / Anfang November oder später auch wenn WASt mittut

 

Resultat:

Ergebnispapier, das in Medien und auf QB-Homepage veröffentlicht wird

 

Ablauf (vorläufig):

*Gorji stellt Problemfeld Unterbringung von queeren Asylwerber_innen vor

*Philip berichtet über Erfahrungen mit Villa-Projekt

*QB: Präsentation des Projekts und der Kosten

 

Andreas und Hilde schreiben Einladung zur Tagung, wird auf Liste diskutiert, bevor sie veröffentlicht wird.

 

Nächstes Treffen: Samstag, 20. September 2014, 18.00, Rosa Lila Villa

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s