Que[e]rbausteine: Architektur der Baugruppe

 

Eine Baugemeinschaft drückt nach Florian Köhl (2011: 114)1 vor allem das Bedürfnis aus, im anonymen Kollektiv der Stadt durch die selbstbestimmte Einheit des Hauses Privatheit und Intimität innerhalb einer überschaubaren Gemeinschaft zu erleben. Für Que[e]rbau heißt dies,zusammen wohnen, leben und arbeiten – als Gruppe aber auch im Bezug zum sozialen Umfeld. Statt maximaler Individualisierung der eigenen vier Wände sollen das Gemeinsame oder Kollektivedes Hauses zum Privaten hinzukommen. Insbesondere die Erweiterung oder Überschreitung der Alltagsgrenzen des Single- und Pärchen-/Kleinfamiliendaseins bilden die Basis etwas Gemeinschaftliches zu formulieren. Das Nutzungskonzept soll unter Moderation des Que[e]rbau-Kernteams mit den zukünftigen Nutzern/Bewohnern gemeinsam generiert werden. Die Bedingungen für eine solche prozesshafte, ergebnisoffene Entwicklung sind komplex doch wird hierbei die Wohnung bzw. das gemeinsame Haus zu einem Ort der selbsterarbeiteten anstelle einer zugeordneten Identität. – Diese selbstbestimmte Identität ist der Que[e]rbaubaustein unserer Vision.

Architektur des Wohnmodells

Die bauliche Grundstruktur des Que[e]rbaus soll neben verschiedenen Wohnungsgrößen auch sehrunterschiedliche Wohnformen ermöglichen. Das bedingt eine frühzeitige Auseinandersetzung der Baugemeinschaftsmitglieder mit ihren individuellen Wohnvorstellungen und eine gemeinsame Verständigung und Entwicklung von Verallgemeinerungen der Ausstattungs- und Bauteilstandards.

Die Festlegung auf Wohnmodule (zwischen 30 und 45m²), die zu Wohnungen bzw. Gemeinschaftsappartements gekoppelt werden können und die Umbaufähigkeit der Wohnungen sind die architektonischen Que[e]rbausteine.

Die einzelnen Wohnmodule besitzen, bis auf die Sanitärkerne und fest verorteten Installations-schächte, keine weiteren tragenden Elemente.- Daher wird die räumliche Ausdifferenzierung der Wohnungen lediglich durch deren Größe und Lage bestimmt. Die möglichen Optionen der Raumbildung eröffnen sich aus der Relation zwischen Fassadenöffnungen, Kernbereichen, Wohnungseingängen undunterschiedlichen Raumhöhen. Es lassen sich sowohl gegliederte Zimmereinteilungen wie auchoffene Raumkonstellationen realisieren. Der Innenausbaustandard der Wohnmodule definiert sich vor allem über die roh belassenen Oberflächen. Skeletartiger Massivbau: Unbehandelte Beton-scheiben, Decken und Böden reduzieren den Aufwand und lassen individuelle Anpassungen zu. Dieser Ansatz ermöglicht den Eigenausbau sowie die Anpassungs- und Umbaufähigkeit der Einheiten, vom traditionellen Trockenausbau bis hin zu Lofts mit Sichtbeton. Auf diese Weise ist eine informelle Möblierung zur Raumteilung ebenso möglich wie eine Mischform aus gesetzten Bauteilen, vom Selbstbau bis hin zur gänzlich ausgebauten Wohnung. Alle Wohnmodule besitzen einen (auswählbaren)an den Wohnraum angeschlossenen Außenraum (Balkon, Terrasse, Loggia).

 

Modell für die gemeinsamen Flächen

Die Gestaltung des Eingangsbereichs mit Lobby-Atmosphäre soll das Haus durch die besondere Raumhöhe der Sockelzone (von ca. 4,0 m) zur Stadt hin öffnen. Im Stiegenhaus wird durch dieAußenverglasung Transparenz erzeugt und es soll lichtdurchflutete, begrünte Verweilzonenbieten. Es erschließt alle Wohnungseinheiten und die Dachebene. Die räumliche Qualität fordert ein, dass das Stiegenhaus nicht nur Funktionsraum, sondern auch ein Kommunikationsraum wird.

Zu den Gemeinschaftszonen zählen neben den Erschließungsflächen der multifunktionale Gemeinschaftsraum (mit Beratungscafé) im Erdgeschoss und das Teehaus-im-Gewächshaus(Ruhezone, Sauna) sowie der Nutzgarten am Dach. Bei diesen Räumen ist angedacht, sie zunächst als Planungs- und Ausbauoption zu beschreiben und nur minimal notwendige planerische Setzungen vorzusehen. Im Unterschied zu der individuellen Gestaltungsfreiheit beim „Wohnmodell“ geht es hier um die Gruppenarbeit, welche  einen weiteren Que[e]rbaustein darstellt und den Kern der Idee „Baugruppe“ im Allgemeinen ausmacht. Die daran gebundene Entwicklung und Spezifizierung vorstellbarer gemeinschaftlicher Aktivitäten, die architektonische Beschreibung innerhalb eines partizipativen Entwurfsprozesses, sowie deren Umsetzung im Rahmen der Bauausführung bzw. des Selbstbaues, werden durch dieses Baugruppenprinzip gewährleistet. Diese Raumrohlinge sind definierte Freiräume, sie ermöglichen auch mit vorerst wenig Mitteln aus dem Provisorischen und Improvisierten die Gemeinschaftsräume zu programmieren.

Queer Gardening

Die Freifläche des Grundstücks um Que[e]rbau soll nicht umfriedet werden, sondern sich zur Stadt hin öffnen. Es soll durch „städtisches Gärtnern“ der Versuch unternommen werden, Subsistenz (temporäre Landaneignung von Brachen, partielle Selbstversorgung) im Quartier und in Kooperation mit anderen Baugruppen zu erproben. Ziel ist der Aufbau einer Gartengruppe zur Gestaltungessbarer Landschaften für eine partielle Selbstversorgung mit Nutzpflanzen in der Stadt. Der Garten soll ein Ort der sinnlichen Begegnung mit Natur und Menschen sein. Die gärtnerische Tätigkeit fördert soziale Kontakte und Solidarität der Bewohner, wenn die Grünflächen über den Ziercharakter hinaus ihren Nutzcharakter entfalten (Community Gardening). Auch Kinderspielzonen werden in diese Gartenlandschaft eingebettet, da sie als quirlige Erlebnisräume und nicht als reine Zierräume gestaltet werden sollen.

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